Arbeitsplatzschmerzen - Nicht nur für Wissensarbeiter

Wenn der Arbeitsplatz schadet

Es ist wenig verwunderlich, dass große Firmen wie Google stolz auf die Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter sind und sie der Welt zeigen.  Ist doch der Arbeitsplatz entscheidend bei der Wahl für oder gegen ein Unternehmen. Denn über die Arbeitsplatzgestaltung lässt sich viel auf die Unternehmenskultur schließen. Der Arbeitsplatz drückt aus, was unausgesprochen bleibt: wir atmen etwas der Kultur ein, zumindest suggeriert unser Hirn uns das, und wir stellen Erwartungen und treffen Annahmen. Obwohl Kultur spannend ist, möchte ich hier über die Gestaltung von Arbeitsplätzen von Wissensarbeitern schreiben. Über unterschiedliche Arbeitsplätze, die ich gesehen und über das was ich dort gefühlt habe, über das was für mich wichtig ist an einem Arbeitsplatz.

First things first

Wenn Du deine Leute über ihren Arbeitsplatz entscheiden lässt, dann zahlen sie dir das tausendfach zurück. Überstimmst Du sie bei der Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes, dann zerkratzt Du ihre Verbindung zu dir. 

Ein Beispiel: Die Bürowände gehören den Menschen, die dort arbeiten und nicht irgendeinem Hausdienst, Management oder externen Beratern. Keine Diskussion!

Pigs und Chicken auf der Arbeit

Ein Arbeitsplatz im Hauptquatier von Zappos. By lizzielaroo CC-BY-SA-2.0  or CC-BY-SA-2.0, via Wikimedia Commons

Der Arbeitsplatz sollte der Ort sein an dem gearbeitet wird, sofern der Arbeitsplatz einem nicht daran hindert.

Ein Muster dem viele Agile Transitionen folgen ist Colocation. Sicherlich ist Colocation mächtig, jedoch ist das Wichtigste dabei die Leute selbst zu fragen, in welchen Konstellation sie gerne zusammensitzen möchten: ein Raum, zwei Räume, wie viele Leute in einem Raum, was auch immer. Als Chicken sollte man nicht über sie bestimmen, sie in einem Pferch einsperren. Vertraue den Leute, die die Arbeit verrichten und nenne ihnen die Einschränkungen und den Rahmen.

Separation, Fragmentierung und ungezwungener Austausch

Viel Schaden wird am Arbeitsplatz dadurch angerichtet, dass Teams auseinander gerissen und separat untergebracht werden. Wahrscheinlich leidet die Arbeit darunter, wenn Teammitglieder losgelöst voneinander. Was dabei definitiv verloren geht, ist der ungezwungene Austausch untereinander. Über diesen Austausch bauen sich Verbindungen und damit eingehend Vertrauen auf und es entstehen Handlungsspielräume. Man verliert viel, wenn man Teams nicht zusammen sitzen lässt.

Zudem fördern verstreute und verteilte Teams Verschwendung (Waste). Wenn man es vermeiden kann, dann sollte man solche Teams nicht in Betracht ziehen - mit einer Ausnahme: das Team möchte es selbst so. Teams, die bestimmt werden agieren üblicherweise weit unter ihren Möglichkeiten. Verteilte Teams, die bestimmt werden tun sich noch weitaus schwerer.

Boxenstop von McLaren 2006 in Malaysia. By Kamalsell (Flickr) CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons

Teams auf verschiedene Standorte aufzuteilen ist schädlich, aber Teammitglieder in ihren Aufgaben zu fragentieren ist weitaus schlimmer. Arbeiten Leute an mehr als einem Projekt, Produkt oder was auch immer, dann führt das dazu, dass sie weniger fokussiert arbeiten und mit enorm mehr Störungen umgehen müssen. Sie ringen und stolpern die meiste Zeit, da es ihnen schwer fällt mit der Anzahl der menschlichen Interaktionen umzugehen. Das hindert sie wiederum, sich in einen Flow-Zustand zu begeben. Bevor es ihnen gelingt etwas abzuschließen, reißt sie wieder jemand heraus und stiehlt ihre Aufmerksamkeit. Man fühlt sich dann wie ein Formel 1 Auto, das für immer beim Boxenstop steht: viel Power, doch keine Performance, da ständig jemand einem die Reifen und andere Teile wechselt. Leider ist dieses Szenario weit verbreitet und erzeugt mehr Verschwendung als Wert.

Ruhe und der Flow-Zustand

Von einem Flow-Zustand spricht man, wenn Menschen beim Arbeiten in eine Leichtigkeit verfallen. Um einen Flow-Zustand zu erreichen, benötigt man Zeit. Üblicherweise erledigt man während eines Flow-Zustands außerordentlich viel. Um dorthinzukommen muss man sich konzentrieren, dafür braucht man Ruhe. Um einen Arbeitsplatz zu schaffen, der das unterstützt, fragt man am besten die Leute selbst. Sie werden sehr gute Vorschläge machen, was sie benötigen um ungestört zu arbeiten. Lässt man sie, werden sie ihren Arbeitsplatz verbessern. Besser man ist zuvorkommend und hilf ihnen dabei, den besseren Arbeitsplatz zu schaffen. Das Prinzip Colocation unterstützt auch dabei, um in einem Flow-Zustand zu kommen: Teammitglieder tendieren dazu zur gleichen Zeit ruhig zu werden und ihre Arbeit zu verrichten, das führt für gewöhnlich zu weniger Unterbrechungen und Störungen. Fragmentierung von Teams, wie oben angesprochen, führt letztlich zu wenig bis gar keiner ruhigen Zeit zum arbeiten.

Natürlich und ...

Sicherlich ist das was ich hier schrieb nichts Neues, nichtsdestotrotz wird es viel zu oft überhört. Oftmals hat es gar nicht so viel damit zu tun, dass bspw. das Management unfähig ist diese Konzepte anzunehmen, es fällt Menschen viel schwerer die alten Ideen zu vergessen, wie John Maynard Keynes sagen würde.

SVNWNK

this article in English: click