Misstrauen ist keine Option

Misstrauen schließt Türen

Misstrauen ist keine Option, weil es keine Optionen eröffnet. Es zerstört sie lediglich, was dazu führt, dass der Entscheidungsspielraum eingeengt wird. Auf der anderen Seite öffnet Vertrauen die Optionen hinter verschlossenen Türen: "Vertrauen erschließt durch die Reduktion von Komplexität Handlungsmöglichkeiten, die ohne Vertrauen unwahrscheinlich und unattraktiv geblieben und somit nicht zum Zuge gekommen wären" - sagt Luhmann.

Dieser Satz trifft es, und ich finde es ist wert ihn öfter zu lesen.

Vertrauen herstellen

Es scheint offensichtlich, dass wir mit Vertrauen uns mehr Handlungswege eröffnen. Zudem erschließen wir uns durch Vertrauen auch die Wege, die vorher unwahrscheinlich jedoch attraktiv waren. Hierfür müssen wir Vertrauen herstellen, was nicht einfach fällt. Hier ein kleines Beispiel, bei dem ich vertrauen wollte:

"Ich putze unseren Kleinbus - wir waren im Urlaub und hatte jede Menge Zeug im Wagen und ich legte alles außen vor den Bus. Als ich ins Haus gehen wollte, um kurz etwas auszuwaschen, kam ein mir unbekannter Zeitungsjunge an. Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde schloss sich die von mir favorisierte 'Tür' - geh rein und wasch das aus - stattdessen dachte ich darüber nach außen zu bleiben, um auf die Sachen aufzupassen. Ich hielt für einen Moment inne, dann entschloss ich mich dem Jungen zu vertrauen und ging nach innen."

Ein Zeitungsjunge aus Iowa City. By Arthur Rothstein: US Farm Security Administration (http://www.loc.gov/pictures/item/fsa1997013024/PP) [Public domain], via Wikimedia Commons

Solche Dinge passieren ständig, jeden Tage. Ich denke wir reflektieren selten darüber, erscheinen solche Ereignisse uns doch meist unwichtig. Auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, dass solche kleinen Entscheidungen die Grundlinie für unser Verhalten prägen. Warum nicht aktiv davon lernen, indem wir darüber reflektieren und uns nicht nur darauf verlassen, dass unsere Erfahrung die richtigen Schalter in unseren Hirnen schaltet (Neurobiologisch ist das so erforscht). Wenn wir nicht erkennen wie wir handeln und unser Verhalten bestimmen, dann bestimmt unser Verhalten ganz leicht uns. Hier hilft, dass stetig bestätigende Erfahrungen uns die Stärke gibt Vertrauen herzustellen. Wenn wir die Essenz von unserem Handeln einfangen und es uns bewusst machen, sollte einfacher sein Vertrauen herzustellen.

Reduzieren von Komplexität durch Vertrauen

Um mit der eigenen Arbeit voran zu kommen, ist es wichtig anderen zu vertrauen. Dort wo man anderen vertraut, mischt man sich nicht ein und stört nicht. Vertraut man, so macht man sich weniger Gedanken darüber wie etwas erledigt wird, welche Weichen man stellen muss und an welchen Stellschrauben kontrolliert wird. Vertrauen heißt: man eröffnet sich die Möglichkeit mit den eigenen Tätigkeiten zu beschäftigen und dazu die Option Dinge durch andere fertigzustellen. Verzichtet man darauf sich über die Arbeit der anderen im Detail Gedanken zu machen, so reduziert man Komplexität. Dazu gehört auf dem Weg zu lernen und das auch anderen zugestehen. Zu guter letzt ist Vertrauen der wichtigste Teil wenn man etwas starten möchte. Je mehr Vertrauen, desto mehr Wege stehen einem in die Zukunft offen.

SVNWNK 

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