Wenn das Gesicht mit der Schulter zuckt

Gesehen habt ihr diese Mimik alle schon: Die Mundwinkel zieht es nach unten und der Kinnbuckel kommt hoch. Diesen Gesichtsausdruck nennt man den "Facial Shrug", er steht für Dreierlei:

  1. das mimische Schulterzucken, um Unwissenheit oder Unsicherheit auszudrücken
  2. um Respekt zu zollen ("das war ja gar nicht übel" oft in Kombination mit Kopfnicken)
  3. ein Einwandsignal, hindeutet auf Unsicherheit oder Verneinung

Anna Ingordino mit einem Facial Shrug :-)

Ein Gesichtsausdruck und drei mögliche Interpretationen. Was auch heißt, wir liegen zwar vielleicht mit unserer Beobachtung richtig, die Interpretation ist jedoch unsicheres Terrain. Sehen wir uns ein Beispiel dazu an.

Fallbeispiel

Szenario: Wir planen die nächsten Schritte. Gerade schließen wir einen Schritt ab und fragen: "Ist jedem klar, was hier zu tun ist?"

Beobachtung: Ihr seht bei zwei Personen einen "Facial Shrug" über das Gesicht huschen. Person A nimmt sehr aktiv an der Planung teil und beantwortet viele Fragen. Person B war sich bisher immer wieder unsicher und hatte Fragen.

Interpretationen: Ausgehend von dem Kontext, den wir kennen, lassen sich mehrere Interpretationen spinnen:

  1. Starten wir mit Person B. Sie könnte zu dem Zeitpunkt unsicher sein, ob sie alles verstanden hat. Es könnten auch noch nicht formulierte Einwände existieren, die später zu Blockaden führen.
  2. Bei Person A kann das anderes aussehen. Es könnte sein, dass die Klärung für sie so effektiv war, dass sie mimisch Respekt zollt. Vielleicht reagiert die Person auch nur gedanklich auf die Frage mit: "Ich habe keine Ahnung ob die anderen es verstanden haben".

Ungeachtet der Qualität der Frage und der Interpretation, die man wählt: Wie macht man weiter?

  1. Es ist legitim das Thema nochmals zu öffnen, indem man die Beobachtung anspricht und für Klarheit sorgt.
  2. Auch kann man über die Beobachtungen hinweg gehen und die nächsten Schritte vorantreiben.

Ich empfehle hier aber mindestens weiter zu beobachten wie sich die beiden Personen bei dem Thema verhalten. Daraus lassen sich interessante Rückschlüsse ziehen. Lag wirklich ein Einwand vor? Wäre es besser gewesen das direkt zu klären?

Wer möchte, der spricht das Beobachtete gleich an, oder öffnet nochmals den Raum für eine kurze Klärung. Auch ein Nachfragen später unter 4 Augen kann zur Klärung führen. Hierbei sollte man jedoch beachten, dass Menschen oft nicht bewusst ist, was sie mit ihrem Gesicht ausdrücken. Zusätzlich kann der Moment schon wieder vergessen sein.

Abschließend ist es gut zu wissen, dass Mimik sehr schnell sein kann. Ist die Bewegung schneller als 500 ms, dann spricht man von einer Mikroexpression. Das ungeschulte Auge übersieht somit oft die Bewegung, selbst wenn es die Bedeutung des Ausdrucks kennt.

SVNWNK

Zeit zu üben ;-)