Ohne Commitment kein Team

Ohne Commitment ist ein Team nur eine Gruppe von Menschen: Ohne Einsatz, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit oder gar Hingabe entsteht selten etwas Gemeinsames. Die Bereitschaft ein gemeinsames Ziel zu verfolgen eint eine Gruppe zu einem echten Team.

Weswegen mangelt es immer wieder an Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Einsatz oder Hingabe?

Ein oftmals unterschätzter Punkt ist das Fehlen des Stolzes auf die eigene Arbeit. Gerade auf diesen Punkt kann man aus vielen Perspektiven blicken.

Eine Perspektive ist es wenn die übertragene Verantwortung sich nicht mit den eigenen Mitteln deckt. Das kann sein, wenn die Fähigkeit fehlt eine Aufgabe dem Anspruch gerecht auszuführen. Wenn aus Herausforderung eine Überforderung wird. Eine gerade so oder schlecht ausgeführte Arbeit macht niemanden stolz. Unrealistische Fristen stellen auch eine Art der Überforderung und des "damit ungenügend Seins" dar. Wer so etwas aufstellt, nimmt den Team oft das Commitment am Start - obwohl ironischer Weise bei unrealistischen Fristen das höchste Commitment überhaupt notwendig wäre.

Ein sehr dynamischer Zug. Ohne Commitment nicht zu machen, nicht zu halten.

Foto "Dyno" von Marian Schütz (Flickr/ Creative Commons)

Ein weiterer Punkt, der hoffentlich bald ad acta gelegt wird, ist es dem Team vorzuschreiben schlechte Arbeit zu machen. Gibt's nicht? Leider doch. Es gibt immer noch Organisationen, die ihren Teams die Grundlage nehmen tadellose Produkte zu liefern. Darunter fallen in der Software-Entwicklung TDD-Verbot oder miese Coding-Guidelines. Insbesondere die Unternehmen, die keinen Verbesserungsprozess aus dem Team heraus gestatten oder fördern, untergraben die tägliche Arbeit und damit das tägliche Commitment. 

Brutal ist das nicht nur am eigenen Leib zu erfahren, sondern auch im Gespräch mit anderen. Ich kann mich noch zu gut an eine Interview-Reihe erinnern, die ich durchgeführt hatte: "Ich möchte gute Arbeit leisten, aber mir wird gesagt, ich soll schlechte Arbeit machen! Das ist ausreichend, nur nicht mehr rein stecken. Ich verzweifle hier."

Ob sich in diesem Unternehmen etwas geändert hat, ich hoffe schon, denn schon ein schlauer Mann hat mal gesagt:

Eliminate barriers that rob people of their right to pride in workmanship.
— W. E. Deming

Erste Schritte

Wie kann man einem Team seinen Stolz geben? Hier ein paar Punkte zum ausprobieren:

  • Applaudiert ihnen im Review
  • Lasst sie nur das in den Sprint ziehen, was sie schaffen
  • Belastet Teams nicht mit künstlichen, unrealistischen Fristen
  • Lasst sie ihre Arbeit verbessern und ihre Qualität erhöhen
  • Bringt sie mit Endnutzern in Kontakt
  • Released häufiger
  • Gebt euren Team-Mitgliedern den Auftrag zuhause oder bei ihren Freunden ihr Produkt vorzustellen

SVNWNK

Macht TDD glücklicher?

Gerald Hüther schreibt in seinem Buch Lernlust über Selbsterkenntnis und Selbststeuerung:

Menschen, die sich selbst regulieren können, werden bei aller Euphorie über eine gefundene Lösung das Ausgangsproblem noch einmal einer Prüfung unterziehen.

Er beschreibt die Prüfung des Ausgangsproblems als "Ausdruck der Fähigkeit zur Selbstregulation" und die Selbstregulation als Fertigkeit um mit den eigenen Unzulänglichkeiten umzugehen. In diesem Zusammenhang ergeben Experimente/Studien zudem, dass Menschen die eine höhere Selbstregulation aufbringen in der Tendenz stabilere Partnerschaften, bessere Ausbildung, mehr Geld, weniger krank und mehr Freude hatten.

Was kann das mit TDD zu tun haben?

In TDD (test-driven development) kehrt man zyklisch, nach jedem Lösungsschritt, zur Ausgangslage zurück und prüft, ob die gefundene Lösung das Ausgangsproblem behebt. Wir machen uns Tätigkeiten, die wir oft wiederholen zu Gewohnheiten.

Nun meine These:

Wenn wir davon ausgehen, dass mit stetigen Einsatz von TDD das Vorgehen "Prüfen der Lösung gegenüber der Ausgangslage" zur Gewohnheit werden kann, besteht dann nicht auch die Chance, dass wir das Verhalten in andere Bereiche außerhalb des Codings übertragen.

Wenn das so ist, dann haben wir dadurch vielleicht die Chance ein klein wenig glücklicher zu werden, oder? ;-)

SVNWNK